Typ-2-Diabetes wird oft als „stille Erkrankung“ bezeichnet, und das aus gutem Grund – wenn die klassischen Symptome auftreten, ist der zugrunde liegende Prozess möglicherweise bereits seit Jahren im Gange. Hier erfahren Sie, was tatsächlich schon früher geschieht und wie sich die Behandlung mittlerweile weit über die alleinige Gabe von Metformin hinaus weiterentwickelt hat.
Manche Menschen, bei denen erstmals Typ-2-Diabetes diagnostiziert wird, weisen bereits zum Zeitpunkt der Diagnose erste Anzeichen von Nerven- oder Augenveränderungen auf – ein Hinweis darauf, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel wahrscheinlich schon seit mehreren Jahren unbemerkt vorlag. Dies ist die entscheidende Herausforderung bei Typ-2-Diabetes: Der zugrunde liegende Prozess verläuft schleichend, und die Symptome, die die meisten Menschen damit in Verbindung bringen, treten meist erst relativ spät auf.
Warum man von einer „stillen Erkrankung“ spricht
Klassische Symptome – übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, unerklärlicher Gewichtsverlust – treten in der Regel erst auf, wenn der Blutzuckerspiegel deutlich über den Normalwert gestiegen ist, oft über einen längeren Zeitraum hinweg. Vor diesem Zeitpunkt gleicht der Körper dies durch eine steigende Insulinproduktion aus, wodurch der Blutzuckerspiegel so nah am Normalwert gehalten werden kann, dass man keine offensichtlichen Beschwerden verspürt – selbst wenn die zugrunde liegende Insulinresistenz, die den gesamten Prozess antreibt, weiter fortschreitet.
Der Verlauf, dessen sich die meisten Menschen nicht bewusst sind
Typ-2-Diabetes tritt nicht plötzlich auf. Er befindet sich am anderen Ende eines Spektrums, das in der Regel mit einer Insulinresistenz beginnt, über das Prädiabetes-Stadium (in dem der Blutzuckerspiegel erhöht, aber noch nicht im diabetischen Bereich liegt) fortschreitet und erst später in eine formelle Diabetes-Diagnose mündet. Jedes Stadium erstreckt sich typischerweise über Jahre, weshalb eine Früherkennung auf Tests beruhen muss, anstatt auf das Auftreten von Symptomen zu warten.
Subtilere Frühzeichen, die man kennen sollte
Neben den klassischen Symptomen gibt es einige weniger bekannte Anzeichen, auf die man achten sollte:
- Müdigkeit, die speziell nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten auftritt und darauf hindeutet, dass die Zellen Schwierigkeiten haben, Glukose effizient zu verwerten, obwohl sie im Blutkreislauf erhöht ist.
- Langsam heilende Schnittwunden oder häufige Hautinfektionen, da ein erhöhter Glukosespiegel die Funktion der Immunzellen und die Durchblutung der kleinen Blutgefäße beeinträchtigt.
- Wiederkehrende Hefepilzinfektionen, da erhöhte Zuckerwerte ein günstigeres Umfeld für die Vermehrung von Hefepilzen schaffen.
- Kribbeln, Taubheitsgefühl oder ein brennendes Gefühl in den Füßen, was auf frühe Nervenveränderungen (periphere Neuropathie) hindeuten kann, die manchmal bereits vor einer formellen Diagnose einsetzen.
- Schwankende Sehstörungen, die damit zusammenhängen, wie schwankende Glukosewerte den Flüssigkeitshaushalt in der Augenlinse beeinflussen.
Wie die Diagnose tatsächlich gestellt wird
Die Diagnose stützt sich in der Regel auf einen oder mehrere von drei Tests: den Nüchternplasmaglukosespiegel, einen oralen Glukosetoleranztest oder HbA1c – einen Wert, der den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten etwa drei Monate widerspiegelt und nicht nur den Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt. HbA1c ist gerade deshalb besonders nützlich, weil es die täglichen Schwankungen ausgleicht und so ein stabileres Bild des Trends liefert, anstatt nur eine Momentaufnahme, die durch eine kürzlich eingenommene Mahlzeit oder Stress verzerrt sein könnte.
Die moderne Behandlung geht weit über Metformin allein hinaus
Metformin ist nach wie vor ein gängiges Medikament der ersten Wahl, vor allem aufgrund seiner langjährigen Sicherheitsbilanz und seiner Wirkung auf die Glukoseproduktion in der Leber. Doch die Behandlung ist heute oft wesentlich umfassender als die Einnahme eines einzigen Medikaments:
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