Statine gehören zu den am intensivsten erforschten Medikamenten überhaupt, doch hartnäckige Mythen über Muskelschäden und Gedächtnisprobleme beeinflussen nach wie vor die Einstellung vieler Menschen gegenüber ihrer Einnahme.
Nur wenige Medikamentenklassen wurden so umfassend, an so vielen großen Bevölkerungsgruppen und über so viele Jahre hinweg untersucht wie Statine. Trotz dieser ungewöhnlich fundierten Evidenzbasis gehören sie nach wie vor zu den am meisten diskutierten Medikamenten im Alltagsgespräch, oft in Verbindung mit Bedenken hinsichtlich Muskelschmerzen, Gedächtnisproblemen und Diabetesrisiko – Bedenken, die nicht immer eindeutig mit den tatsächlichen Forschungsergebnissen übereinstimmen. Ein Verständnis sowohl der Wirkungsweise von Statinen als auch der berechtigten, evidenzgestützten Bedenken hilft dabei, diese Diskussion in eine klarere Perspektive zu rücken.
Wie Statine tatsächlich den Cholesterinspiegel senken
Statine wirken, indem sie ein Enzym namens HMG-CoA-Reduktase hemmen, das die Leber benötigt, um Cholesterin körpereigen zu produzieren. Da die Leber die Hauptquelle für die körpereigene Cholesterinproduktion ist – was für die meisten Menschen eine größere Rolle spielt als die Cholesterinaufnahme über die Nahrung allein –, führt die Hemmung dieses Enzyms zu einer deutlichen Senkung der Menge an LDL-Cholesterin, das oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird und im Blut zirkuliert. Als Reaktion auf die verringerte körpereigene Produktion erhöhen die Leberzellen zudem die Anzahl der LDL-Rezeptoren an ihrer Oberfläche und ziehen so zusätzliches LDL-Cholesterin aus dem Blutkreislauf, was die cholesterinsenkende Wirkung über die bloße Verringerung der Produktion hinaus verstärkt.
Warum eine Senkung des LDL-Spiegels zu weniger kardiovaskulären Ereignissen führt
Der Zusammenhang zwischen Statinen und einem verringerten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle beschränkt sich nicht nur auf einen besseren Wert im Laborbericht – ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel ist ein wesentlicher Auslöser für Atherosklerose, die allmähliche Ablagerung von Fettplaques an den Arterienwänden, die diese schließlich verengen oder zum Reißen bringen können, was einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslöst. Große, über Jahrzehnte erstreckende klinische Studien haben durchweg gezeigt, dass die durch Statine bewirkte LDL-Senkung mit einer deutlich geringeren Zahl kardiovaskulärer Ereignisse einhergeht, sowohl bei Menschen, die bereits ein kardiovaskuläres Ereignis hatten (Sekundärprävention) als auch bei Personen mit erhöhtem Risiko, die noch kein solches Ereignis hatten (Primärprävention). Aus diesem Grund bleiben Statine in den aktuellen Leitlinien ein Eckpfeiler des kardiovaskulären Risikomanagements.
Die Bedenken bezüglich Muskelschmerzen direkt ansprechen
Muskelschmerzen gehören zu den am häufigsten in Alltagsgesprächen genannten Nebenwirkungen von Statinen, doch das Bild aus kontrollierten Studien ist differenzierter, als dieser Ruf vermuten lässt. Große randomisierte Studien, in denen Statine direkt mit Placebo verglichen wurden, ohne dass Patienten oder Forscher wussten, welches Mittel eingenommen wurde, haben im Allgemeinen festgestellt, dass die Rate der Muskelsymptome bei Statinen nur geringfügig höher war als bei Placebo – deutlich niedriger als die in Beobachtungsstudien aus der Praxis berichteten Raten. Dies deutet darauf hin, dass Erwartungs- und Aufmerksamkeitsverzerrungen eine bedeutende Rolle dabei spielen, wie Muskelsymptome gemeldet und zugeordnet werden. Das bedeutet nicht, dass statinbedingte Muskelsymptome bei manchen Menschen nicht real sind – das sind sie ganz eindeutig –, aber es bedeutet, dass die tatsächliche Häufigkeit wahrscheinlich geringer ist, als die allgemeine Wahrnehmung vermuten lässt, und dass ein Wechsel zu einem anderen Statin oder eine Dosisanpassung die Symptome bei den Betroffenen oft beseitigt.
Das seltene, aber reale Risiko schwerwiegender Muskelkomplikationen
Ein ganz anderes und weitaus selteneres Problem ist die Rhabdomyolyse, ein schwerwiegender Abbau von Muskelgewebe, der die Nierenfunktion beeinträchtigen kann; diese tritt jedoch nur bei einem sehr kleinen Teil der Statin-Anwender auf und ist weitaus seltener als die oben beschriebenen leichteren Muskelschmerzen. Bestimmte Faktoren erhöhen dieses seltene Risiko, darunter spezifische Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie fortgeschrittenes Alter. Aus diesem Grund überprüft ein Arzt vor der Verschreibung andere Medikamente und Vorerkrankungen und achtet während der Behandlung generell auf Warnsymptome.
Statine und Blutzucker: Ein geringer, aber realer Zusammenhang
Forschungsergebnisse haben ein geringfügig erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes bei Statin-Anwendern festgestellt, das vermutlich mit subtilen Auswirkungen auf die Insulinsensitivität und -sekretion zusammenhängt. Dies ist eine echte Erkenntnis, kein Mythos, muss jedoch gegen den kardiovaskulären Nutzen abgewogen werden, den Statine bieten; und für die meisten Menschen mit einem nennenswerten kardiovaskulären Risiko wird allgemein davon ausgegangen, dass die Verringerung des Risikos für Herzinfarkt und Schlaganfall diesen geringen Anstieg des Diabetesrisikos überwiegt. Für Menschen, die bereits ein Grenzrisiko für Diabetes aufweisen, ist dies ein berechtigter Faktor, den sie bei der Abwägung der gesamten Behandlungsstrategie mit einem Arzt besprechen sollten – und kein automatischer Grund, Statine gänzlich zu meiden.
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