Eine chronische Nierenerkrankung verursacht oft keine Symptome, bis die Nierenfunktion bereits erheblich eingeschränkt ist – und genau deshalb sind zwei einfache Blut- und Urintests wichtiger, als abzuwarten, bis man sich unwohl fühlt.
Wenn eine chronische Nierenerkrankung Symptome hervorruft, die eine Person tatsächlich bemerken würde, haben die Nieren oft bereits einen erheblichen Teil ihrer Funktion eingebüßt – und genau deshalb werden die meisten Fälle im Frühstadium durch Routineuntersuchungen entdeckt, anstatt auf das Auftreten von Symptomen zu warten.
Warum die chronische Nierenerkrankung oft als „stille“ Erkrankung bezeichnet wird
Die Nieren verfügen über eine beträchtliche Reservekapazität, was bedeutet, dass sie ihre Kernfunktionen auch dann noch erfüllen können, wenn sie bereits einen erheblichen Teil ihrer Filterfähigkeit eingebüßt haben. Diese eingebaute Redundanz wirkt in gewisser Weise schützend, bedeutet aber auch, dass eine Nierenerkrankung im Frühstadium häufig überhaupt keine spürbaren Symptome hervorruft und die Funktion bereits erheblich nachlassen kann, bevor sich eine Person unwohl fühlt. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass eine CKD so oft erst in einem fortgeschritteneren Stadium diagnostiziert wird als andere chronische Erkrankungen mit deutlicheren Frühwarnzeichen.
Was die Nieren eigentlich leisten – und warum ein früher Funktionsverlust unbemerkt bleibt
Neben der Filterung von Abfallstoffen aus dem Blut regulieren die Nieren den Flüssigkeitshaushalt, den Elektrolythaushalt, den Blutdruck und die Bildung roter Blutkörperchen und tragen zur Aktivierung von Vitamin D bei. Da diese Funktionen verteilt sind und sich ihre Auswirkungen schleichend entfalten, äußert sich ein früher Funktionsverlust eher in subtilen Veränderungen – leicht erhöhter Blutdruck, geringfügige Abweichungen bei den Blutwerten – als in einem eindeutigen Symptom, das eine Person speziell ihren Nieren zuschreiben würde.
Subtile Frühsymptome, auf die man achten sollte
Wenn frühe Symptome auftreten, sind sie oft so unspezifisch, dass sie abgetan oder auf etwas anderes zurückgeführt werden: anhaltende Müdigkeit, leichte Schwellungen im Bereich der Knöchel oder Augen, Veränderungen der Harnfrequenz (insbesondere häufigeres Wasserlassen in der Nacht), schaumiger Urin (was auf einen Proteinverlust im Urin hindeuten kann) und Konzentrationsschwierigkeiten. Keines dieser Symptome tritt ausschließlich bei Nierenerkrankungen auf, weshalb sie leicht übersehen werden und im Allgemeinen eher als Anlass für weitere Untersuchungen dienen als zur Selbstdiagnose herangezogen werden.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Diabetes und Bluthochdruck sind weltweit die beiden Hauptursachen für chronische Nierenerkrankungen (CKD) und machen zusammen den Großteil der Fälle aus, da beide Erkrankungen im Laufe der Zeit die kleinen Blutgefäße in den Filtereinheiten der Nieren allmählich schädigen. Eine familiäre Vorbelastung mit Nierenerkrankungen, fortgeschrittenes Alter und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Vorgeschichte erhöhen das Risiko ebenfalls. Da es sich hierbei weitgehend um dieselben Risikofaktoren handelt, die auch mit verschiedenen anderen chronischen Erkrankungen in Verbindung stehen, wird Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck im Allgemeinen empfohlen, ihre Nierenfunktion im Rahmen der routinemäßigen Behandlung dieser Erkrankungen überprüfen zu lassen – und nicht als separaten, davon unabhängigen Test.
Wie eine CKD tatsächlich erkannt wird
Die Erkennung stützt sich auf zwei relativ einfache, kostengünstige Tests und nicht auf invasive Verfahren. Anhand einer Blutuntersuchung zur Bestimmung des Kreatininspiegels wird die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) berechnet – ein Wert, der angibt, wie effektiv die Nieren das Blut filtern. Ein Urintest zur Bestimmung des Albumin-Kreatinin-Verhältnisses (ACR) erkennt geringe Mengen an Protein, die in den Urin gelangen – oft eines der frühesten erkennbaren Anzeichen für eine Nierenbelastung, das manchmal bereits auftritt, bevor die eGFR selbst gesunken ist. Zusammen können diese beiden Tests eine Nierenerkrankung erkennen, lange bevor Symptome den Betroffenen dazu veranlassen würden, einen Arzt aufzusuchen.
Kostenlos weiterlesen
Erstellen Sie ein kostenloses Konto, um den Rest dieses Artikels und unsere gesamte Gesundheitsbibliothek freizuschalten.
Sie haben bereits ein Konto?




