Schilddrüsenmedikamente können Wechselwirkungen mit alltäglichen Nahrungsergänzungsmitteln, anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten und sogar bestimmten Laboruntersuchungen hervorrufen, wodurch sich die Ergebnisse unbemerkt verändern, ohne dass jemand die Dosis angepasst hat.
Schilddrüsenhormone werden mit außergewöhnlicher Präzision dosiert – schon geringe Schwankungen der Blutspiegel, die bei den meisten Medikamenten keine Rolle spielen würden, können spürbare Symptome oder verfälschte Laborwerte hervorrufen. Genau diese Präzision ist der Grund, warum Schilddrüsenmedikamente anfälliger für signifikante Wechselwirkungen sind als viele andere gängige verschreibungspflichtige Medikamente – nicht unbedingt, weil sie in Kombination mit anderen besonders gefährlich wären, sondern weil der Spielraum für Wechselwirkungen so gering ist. Das Verständnis der wichtigsten Wechselwirkungskategorien hilft zu erklären, warum Ärzte und Apotheker routinemäßig nach allen Nahrungsergänzungsmitteln und verschreibungspflichtigen Medikamenten fragen, die jemand einnimmt – nicht nur nach anderen Schilddrüsenmedikamenten.
Warum Schilddrüsenmedikamente besonders empfindlich sind
Schilddrüsenhormonersatzpräparate, meist Levothyroxin, müssen in einer ziemlich genau festgelegten Menge resorbiert werden, um den Regelkreis des Körpers – an dem die Hypophyse, die Schilddrüse und die zirkulierenden Hormonspiegel beteiligt sind – im Gleichgewicht zu halten. Da sich der Körper ständig an die festgestellte Hormonmenge anpasst, muss eine Wechselwirkung die Resorption nicht vollständig blockieren, um Auswirkungen zu haben; bereits eine teilweise, über Wochen andauernde Verringerung kann ausreichen, um die Laborwerte aus dem Normbereich zu bringen. Dies unterscheidet sich von vielen anderen Medikamenten, bei denen eine Wechselwirkung erst bei großem Ausmaß klinisch relevant wird.
Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel, die die Aufnahme verringern
Kalzium und Eisen sind die beiden am besten dokumentierten Verursacher, und beide wirken auf die gleiche Weise: Sie können sich im Verdauungstrakt an Schilddrüsenhormone binden und so eine Verbindung bilden, die der Körper nicht so effizient aufnehmen kann. Dies gilt für Kalziumpräparate, mit Kalzium angereicherte Lebensmittel und Säfte sowie für Multivitamine, die Eisen enthalten – nicht nur für reine Eisentabletten. Die allgemeine Empfehlung lautet, diese mindestens vier Stunden vor oder nach der Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten einzunehmen, anstatt sie gänzlich zu vermeiden, da es bei der Wechselwirkung eher um den Zeitpunkt und die zeitliche Nähe geht als um eine grundsätzliche Unverträglichkeit der Substanzen.
Säurehemmende Medikamente und Resorption
Levothyroxin benötigt einen bestimmten Säuregrad im Magen, um sich aufzulösen und richtig resorbiert zu werden. Das bedeutet, dass Medikamente, die die Säureproduktion senken – Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol, H2-Blocker wie Famotidin und aluminium- oder magnesiumhaltige Antazida –, die Menge an Schilddrüsenhormon verringern können, die tatsächlich in den Blutkreislauf gelangt. Diese Wechselwirkung wird besonders leicht übersehen, da säuresenkende Medikamente oft rezeptfrei erhältlich sind und im Gespräch möglicherweise nicht so zur Sprache kommen wie ein neues Rezept. Jedem, der regelmäßig mit der Einnahme eines dieser Medikamente beginnt und gleichzeitig Schilddrüsenhormone einnimmt, wird generell empfohlen, dies seinem Arzt mitzuteilen, da eine Dosisanpassung oder eine erneute Überprüfung der Werte angebracht sein könnte.
Cholesterinmedikamente, die Schilddrüsenhormone direkt binden
Eine bestimmte Klasse cholesterinsenkender Medikamente, die sogenannten Gallensäurebinder – darunter Cholestyramin und Colesevelam –, wirkt, indem sie Substanzen im Verdauungstrakt bindet, und Schilddrüsenhormone können in denselben Bindungsprozess einbezogen werden, wenn beide Medikamente zu kurz nacheinander eingenommen werden. Hierbei handelt es sich eher um eine direkte mechanische als um eine metabolische Wechselwirkung, weshalb ein zeitlicher Abstand zwischen den Einnahmen – oft von mehreren Stunden – die übliche Vorgehensweise ist, anstatt eines der beiden Medikamente ganz zu vermeiden.
Hormonpräparate und Schilddrüsen-bindende Proteine
Östrogenhaltige Medikamente, darunter einige hormonelle Verhütungsmittel und die Hormonersatztherapie, können die Menge eines Proteins im Blut erhöhen, das Schilddrüsenhormone bindet. Da nur der ungebundene, „freie“ Anteil des Schilddrüsenhormons biologisch aktiv ist, kann ein Anstieg dieses Bindungsproteins dazu führen, dass ein größerer Teil des Hormons im Blutkreislauf gebunden und somit nicht verfügbar ist, was bei Personen, die bereits eine Schilddrüsenhormonersatztherapie erhalten, manchmal eine Dosisanpassung erforderlich macht. Dies ist ein gutes Beispiel für eine Wechselwirkung, bei der es überhaupt nicht um die Resorption geht, sondern darum, wie sich das Hormon verhält, sobald es sich bereits im Blutkreislauf befindet.
Kostenlos weiterlesen
Erstellen Sie ein kostenloses Konto, um den Rest dieses Artikels und unsere gesamte Gesundheitsbibliothek freizuschalten.
Sie haben bereits ein Konto?




