Die Richtlinien für Vorsorgeuntersuchungen sind nicht willkürlich nach Alter gegliedert – je nach Altersgruppe ändern sich die Erkrankungen, auf die man statistisch gesehen gezielt achten sollte. Hier finden Sie eine praktische, nach Altersgruppen gegliederte Übersicht darüber, was im Allgemeinen untersucht werden sollte und warum der richtige Zeitpunkt entscheidend ist.
Richtlinien für Vorsorgeuntersuchungen sind keine einheitliche, festgelegte Checkliste, die für alle gleichermaßen gilt – sie variieren je nach Alter aus einem bestimmten Grund: Die statistische Wahrscheinlichkeit für verschiedene Erkrankungen ändert sich im Laufe der Jahrzehnte erheblich, und sowohl eine zu frühe als auch eine zu späte Vorsorgeuntersuchung ist mit konkreten Kosten verbunden. Erfolgt die Vorsorge zu früh, kann sie unnötige Ängste und falsch-positive Befunde für Erkrankungen hervorrufen, deren Auftreten statistisch gesehen noch unwahrscheinlich ist; erfolgt sie zu spät, ist das frühe Zeitfenster, in dem viele Erkrankungen überhaupt erst erkannt werden sollten, bereits geschlossen.
In den 20ern
- Blutdruck- und Blutfettwerte zur Bestimmung der Ausgangswerte – auch wenn das kardiovaskuläre Risiko in diesem Alter im Allgemeinen gering ist, erleichtert die frühzeitige Ermittlung persönlicher Ausgangswerte das Erkennen und Interpretieren zukünftiger Veränderungen erheblich.
- Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge für Frauen gemäß den aktuellen Richtlinien zum Einstiegsalter.
- Untersuchung auf sexuell übertragbare Infektionen für alle sexuell aktiven Menschen, idealerweise routinemäßig und nicht erst bei konkreten Anlässen.
- Eine zahnärztliche und augenärztliche Basisuntersuchung, die in diesem Alter oft vernachlässigt wird, deren regelmäßige Durchführung jedoch sinnvoll ist, bevor Probleme auftreten.
- Eine allgemeine Überprüfung der psychischen Gesundheit, insbesondere angesichts der Tatsache, wie häufig Angstzustände und Stimmungsstörungen in diesem Lebensabschnitt auftreten.
In den 30ern
- Regelmäßige Wiederholung der Blutdruck- und Blutfettwerte, um Abweichungen von den in den 20ern ermittelten Ausgangswerten zu beobachten.
- Eine Blutzucker-Baseline-Untersuchung, die angesichts steigender Raten von Insulinresistenz in immer jüngerem Alter besonders relevant ist, vor allem bei familiärer Vorbelastung oder gewichtsbedingten Risikofaktoren.
- Regelmäßige Hautuntersuchungen, wobei auf Muttermale zu achten ist, die sich in Größe, Form oder Farbe verändern.
- Beginn einer bewussteren Dokumentation der familiären Krankengeschichte, da sich in diesem Lebensabschnitt oft Muster in der Gesundheit der Eltern und Geschwister deutlicher abzeichnen und sich dadurch der Zeitpunkt, zu dem bestimmte Vorsorgeuntersuchungen für einen selbst beginnen sollten, erheblich verschieben kann.
In den Vierzigern
- Häufigere kardiovaskuläre Risikobewertung, bei der Blutdruck, Blutfettwerte und zunehmend auch weitere Marker je nach individuellen Risikofaktoren berücksichtigt werden.
- Diabetes-Vorsorgeuntersuchungen werden in diesem Lebensabschnitt allgemein für die gesamte Bevölkerung empfohlen, nicht nur für Personen mit spezifischen Risikofaktoren.
- Brustkrebsvorsorge beginnt gemäß den meisten Leitlinien in der Regel in diesem Lebensabschnitt, wobei das genaue Einstiegsalter je nach Land und persönlichen Risikofaktoren variiert.
- Frühere Darmkrebsvorsorge für alle Personen mit familiärer Vorbelastung, deutlich vor dem für die Allgemeinbevölkerung geltenden Einstiegsalter.
In den 50ern und darüber hinaus
- Die Darmkrebsvorsorge wird in dieser Lebensphase gemäß den meisten Leitlinien zum Standard für die Allgemeinbevölkerung.
- Eine Ausgangsmessung der Knochendichte, die insbesondere für Frauen um die Menopause herum und danach relevant ist, da es während dieser Übergangsphase zu einem beschleunigten Knochenabbau kommt.
- Ein Gespräch über die Prostata-Gesundheit für Männer, bei dem individuelle Risikofaktoren und die Familienanamnese gemeinsam mit einem Arzt abgewogen werden, anstatt einer einzigen allgemeingültigen Regel zu folgen.
- Eine umfassendere Neubewertung des kardiovaskulären Risikos, die das Gesamtbild der in den vergangenen Jahrzehnten akkumulierten Risikofaktoren berücksichtigt.
- Fortgesetzte Krebsvorsorgeuntersuchungen wie bisher festgelegt, zusammen mit neuen Vorsorgeuntersuchungen, die aufgrund der sich verändernden persönlichen oder familiären Krankengeschichte relevant werden.
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