Eine periphere Neuropathie – also eine Schädigung der Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks – kann Dutzende möglicher Ursachen haben, doch ihre charakteristischen Symptome und eine systematische Abklärung lassen die Auswahl in der Regel erheblich eingrenzen.
Eine periphere Neuropathie ist keine einzelne Krankheit, sondern eine Bezeichnung für Schädigungen des peripheren Nervensystems – jenes ausgedehnten Netzwerks von Nerven, das Signale zwischen dem Gehirn, dem Rückenmark und dem Rest des Körpers überträgt. Da dieses Netzwerk so umfangreich ist, können sich die Schädigungen in vielen verschiedenen Mustern zeigen, je nachdem, welche Nerven betroffen sind, wie viele es sind und ob es sich um sensorische, motorische oder autonome Nerven oder eine Kombination davon handelt – genau deshalb umfasst dieser weit gefasste Begriff Erscheinungsbilder, die von Person zu Person sehr unterschiedlich aussehen können.
Das charakteristische Symptommuster
Das klassischste Muster ist eine symmetrische „Strumpf-Handschuh“-Verteilung – Taubheitsgefühl, Kribbeln oder brennende Schmerzen, die in den Zehen und Fingern beginnen und sich allmählich nach oben ausbreiten, wobei zunächst die längsten Nerven betroffen sind, einfach weil sie anfälliger für den Prozess sind, der die Schädigung verursacht. Zu den sensorischen Symptomen zählen Taubheitsgefühle, Kribbeln („Ameisenlaufen“), brennende oder stechende Schmerzen sowie eine erhöhte, manchmal schmerzhafte Empfindlichkeit gegenüber leichter Berührung (Allodynie). Sind motorische Nerven betroffen, kann es zu Muskelschwäche, Krämpfen und in fortgeschritteneren Fällen zu Muskelschwund kommen. Eine Beteiligung des autonomen Nervensystems – von Patienten seltener als Neuropathie wahrgenommen – kann Symptome wie abnormes Schwitzen, Schwindel beim Aufstehen aufgrund von Problemen bei der Blutdruckregulation oder Veränderungen der Verdauung verursachen.
Diabetes: Die mit Abstand häufigste Ursache
Die diabetische periphere Neuropathie ist in Regionen mit hohen Diabetesraten die mit Abstand häufigste Ursache für periphere Neuropathie und entwickelt sich bei einem erheblichen Anteil der Menschen mit langjährigem oder schlecht eingestelltem Diabetes. Chronisch erhöhter Blutzucker schädigt die kleinen Blutgefäße, die die Nerven selbst versorgen, wodurch diese nach und nach nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden; zudem werden die Nervenfasern über verschiedene biochemische Wege, die mit oxidativem Stress und abnormaler Proteinansammlung einhergehen, direkt geschädigt. Das Risiko und der Schweregrad einer diabetischen Neuropathie korrelieren recht eng mit der Dauer der Diabeteserkrankung und dem Grad der Blutzuckerkontrolle im Zeitverlauf. Deshalb bleibt die Blutzuckerkontrolle nach der Diagnose die mit Abstand wirksamste Methode, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, auch wenn bereits bestehende Nervenschäden oft nicht vollständig rückgängig gemacht werden können.
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