Ein hoher Wert auf dem Thermometer löst oft mehr Besorgnis aus, als das Fieber eigentlich rechtfertigt, da der tatsächliche Schweregrad der Erkrankung eines Kindes weitaus stärker vom Verhalten des Kindes abhängt als von der Temperatur allein.
Kaum eine Zahl löst bei Eltern so viel Sorge aus wie ein Thermometerwert über 38 °C, doch Fieber an sich ist nicht der Feind – es ist ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem eines Kindes genau das tut, was es tun soll. Zu verstehen, was Fieber eigentlich ist, und zu lernen, den Gesamtzustand eines Kindes einzuschätzen, anstatt sich auf eine einzelne Zahl zu versteifen, ist in der Regel weitaus hilfreicher als jeder Temperaturgrenzwert für sich allein.
Was Fieber eigentlich ist
Fieber ist die bewusste Erhöhung der Körpertemperatur als Reaktion auf eine Infektion, ausgelöst durch chemische Signale, die das Temperaturregulationszentrum des Gehirns neu einstellen. Dies ist keine Fehlfunktion – man geht davon aus, dass eine höhere Körpertemperatur das Umfeld für bestimmte Viren und Bakterien ungünstiger macht und gleichzeitig bestimmte Immunreaktionen verstärkt. In der Praxis bedeutet dies, dass Fieber ein Symptom ist, das darauf hinweist, dass das Immunsystem etwas erkannt hat, auf das es reagieren muss – meist eine Virusinfektion –, und nicht etwa einen Zustand, den man fürchten oder so schnell wie möglich beseitigen sollte.
Warum der Wert weniger wichtig ist, als es scheint
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass höheres Fieber automatisch auf eine schwerwiegendere Erkrankung hindeutet. Tatsächlich kann ein Kind mit relativ geringem Fieber, das lethargisch ist, sich nur schwer wecken lässt oder keine Flüssigkeit zu sich nehmen will, besorgniserregender sein als ein Kind mit hohem Fieber, das wach ist, normal trinkt und zwischen den Phasen des Unwohlseins Interesse am Spielen zeigt. Aus diesem Grund wird in pädiatrischen Leitlinien immer wieder betont, dass man das Verhalten und die Reaktionen des Kindes beobachten sollte, anstatt einen bestimmten Wert automatisch als Schwellenwert für Besorgnis anzusehen – insbesondere bei Kindern, die älter als drei Monate sind.
Das Alter verändert die Einschätzung erheblich
Das Alter des Kindes beeinflusst maßgeblich, wie mit Fieber umgegangen werden sollte. Bei Säuglingen unter drei Monaten wird selbst ein geringes Fieber mit größerer Vorsicht behandelt, da das Immunsystem eines jungen Säuglings und seine Fähigkeit, Symptome mitzuteilen, begrenzt sind und Infektionen in dieser Altersgruppe schneller fortschreiten können. Bei älteren Säuglingen und Kindern gibt dieselbe Fieberhöhe in der Regel weniger Anlass zu unmittelbarer Sorge, vorausgesetzt, das Kind scheint sich zwischen den Fieberschüben ansonsten einigermaßen wohl zu fühlen. Diese altersbezogene Unterscheidung ist eine der beständigsten Empfehlungen von Kinderärzten, gerade weil sie tatsächliche Unterschiede im Risiko widerspiegelt und nicht auf willkürlicher Vorsicht beruht.
Fieberkrämpfe: Beängstigend, aber meist nicht gefährlich
Bei einigen Kleinkindern, in der Regel im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, können Fieberkrämpfe auftreten – ein kurzer Krampfanfall, der durch einen raschen Temperaturanstieg und nicht durch die Fieberhöhe selbst ausgelöst wird. Diese Episoden sind für den Betrachter beängstigend, doch die überwiegende Mehrheit klärt sich innerhalb weniger Minuten von selbst auf und verursacht keine bleibenden Schäden; ein solcher Anfall ist zudem kein zwingender Hinweis auf zukünftige neurologische Probleme. Dennoch erfordert jeder Anfall bei einem Kind, unabhängig davon, ob er fieberbedingt erscheint oder nicht, eine umgehende ärztliche Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen.
Umgang mit Fieber zu Hause
Bei den meisten Kindern, die ansonsten ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, bei Bewusstsein sind und keine offensichtlichen Beschwerden zeigen, stehen eher Maßnahmen zur Linderung als eine aggressive Fiebersenkung im Vordergrund – das Kind leicht kleiden, im Zimmer für eine angenehme Temperatur sorgen und regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme fördern, um einer Dehydrierung vorzubeugen, die durch Fieber beschleunigt werden kann. Die Entscheidung für fiebersenkende Medikamente richtet sich in der Regel danach, wie unwohl sich ein Kind zu fühlen scheint, und nicht danach, einen bestimmten Temperaturwert zu erreichen. Alle Entscheidungen bezüglich der Medikation, einschließlich der dem Gewicht und Alter des Kindes entsprechenden Dosierung, sollten am besten mit einem Arzt oder Apotheker abgeklärt und nicht geschätzt werden.
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