Ein Sturz wird selten durch einen einzigen Faktor verursacht – er ist in der Regel das Ergebnis mehrerer kleiner, einzeln beherrschbarer Risiken, die sich im selben Moment häufen.
Stürze werden oft als unglückliche Unfälle betrachtet, doch bei älteren Menschen sind sie selten zufällig. Untersuchungen zum Sturzrisiko zeigen immer wieder, dass Stürze in der Regel auf eine Kombination sich überschneidender Faktoren zurückzuführen sind – beispielsweise ein leichtes Gleichgewichtsproblem, eine Nebenwirkung von Medikamenten, schlechte Beleuchtung und ein locker liegender Teppich –, von denen keiner für sich genommen zwangsläufig einen Sturz verursachen würde, die aber zusammen einen Moment schaffen, in dem der Spielraum für Fehler einfach nicht mehr ausreicht. Dieses Verständnis von Stürzen – als Zusammenwirken beherrschbarer Risiken und nicht als Pech – macht Prävention wirklich wirksam und geht über bloße Vorsicht hinaus.
Warum das Sturzrisiko mit zunehmendem Alter steigt
Mehrere normale altersbedingte Veränderungen tragen zu einem erhöhten Sturzrisiko bei, darunter ein allmählicher Rückgang der Muskelkraft, verlangsamte Reflexe, ein eingeschränktes peripheres Sehvermögen sowie Veränderungen in den für das Gleichgewicht zuständigen Strukturen des Innenohrs. Keine dieser Veränderungen ist für sich genommen in der Regel dramatisch, doch zusammen verringern sie den Spielraum des Körpers, ein Stolpern zu korrigieren, bevor es zu einem Sturz kommt. Dies ist einer der Gründe, warum Strategien zur Sturzprävention in der Regel an mehreren Fronten gleichzeitig ansetzen, anstatt isoliert auf einen einzelnen Risikofaktor abzuzielen.
Medikamente sind ein bedeutenderer Faktor, als den meisten Menschen bewusst ist
Bestimmte Medikamente, insbesondere solche, die den Blutdruck, den Blutzucker oder das Nervensystem beeinflussen – darunter einige Beruhigungsmittel, Antidepressiva und Schlafmittel –, können zu Schwindel, Schläfrigkeit oder verlangsamten Reaktionszeiten führen, wodurch das Sturzrisiko erheblich steigt. Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente, wie sie bei älteren Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen häufig vorkommt, kann dieses Risiko durch Wechselwirkungen noch verstärken, die aus der Betrachtung der Nebenwirkungen eines einzelnen Medikaments nicht immer ersichtlich sind. Eine regelmäßige Überprüfung der Medikamenteneinnahme durch einen Arzt oder Apotheker, die sich speziell auf das Sturzrisiko konzentriert und nicht nur auf die einzelnen Erkrankungen, ist eine der wissenschaftlich fundiertesten und dennoch zu selten genutzten Präventionsmaßnahmen.
Seh- und Hörvermögen: Unterschätzte Risikofaktoren
Unkorrigierte Sehstörungen, darunter veraltete Brillenverschreibungen oder unbehandelte Katarakte, können das Sturzrisiko erheblich erhöhen, da sie es erschweren, Entfernungen einzuschätzen, Unebenheiten im Boden zu erkennen oder sich in Umgebungen mit schlechten Lichtverhältnissen sicher zu bewegen. Auch Hörverlust wurde in der Forschung mit einem erhöhten Sturzrisiko in Verbindung gebracht; man geht davon aus, dass dies zum Teil mit der doppelten Funktion des Innenohrs für das Hören und das Gleichgewicht und zum Teil mit einem insgesamt verminderten räumlichen Orientierungssinn zusammenhängt. Regelmäßige Seh- und Hörtests sind ein mit geringem Aufwand verbundener, oft übersehener Bestandteil eines umfassenden Ansatzes zur Sturzprävention.
Kraft- und Gleichgewichtstraining verändert die Ergebnisse nachhaltig
Unter allen untersuchten Maßnahmen zur Sturzprävention verfügen strukturierte Kraft- und Gleichgewichtsübungsprogramme über einige der stärksten Belege; Studien zeigen durchweg eine deutliche Senkung der Sturzraten bei älteren Erwachsenen, die regelmäßig daran teilnehmen. Programme, die speziell das Gleichgewicht trainieren – wie Tai Chi oder gezielte Gleichgewichts- und Beinkraftübungen –, scheinen besonders wirksam zu sein, wahrscheinlich weil sie genau jene reflexartigen Stabilitätsreaktionen trainieren, die mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise nachlassen. Dies ist ein Fall, in dem die Maßnahme das Risiko nicht nur theoretisch verringert, sondern nachweislich die körperliche Fähigkeit verbessert, ein Stolpern abzufangen, bevor es zu einem Sturz kommt.
Tipp
Ein einfacher Einstieg ist ein Programm, das Übungen zur Beinkraftsteigerung mit Gleichgewichtsübungen kombiniert und mindestens zweimal pro Woche durchgeführt wird – viele Gemeindezentren und Physiotherapeuten bieten strukturierte Bewegungskurse zur Sturzprävention an, die speziell auf ältere Menschen zugeschnitten sind.
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