Die häufigste Ursache für Scheidenausfluss und Geruch ist keine Hefepilzinfektion – es handelt sich vielmehr um eine bakterielle Vaginose, die eine völlig andere Behandlung erfordert. Hier erfahren Sie, wie Sie die Hauptursachen tatsächlich voneinander unterscheiden können.
In den Regalen für rezeptfreie Medikamente dominieren Antimykotika gegen Hefepilzinfektionen, was zu einer naheliegenden, aber oft falschen Annahme führt: dass ungewöhnlicher Ausfluss oder Geruch auf eine Hefepilzinfektion hindeuten. Tatsächlich ist die bakterielle Vaginose (BV) die häufigere Ursache für diese Symptome bei Frauen im gebärfähigen Alter – und eine Behandlung mit Antimykotika hilft hier überhaupt nicht, da es sich gar nicht um ein Pilzproblem handelt.
Bakterielle Vaginose (BV)
Bei der BV handelt es sich weniger um eine von außen eingeschleppte Infektion als vielmehr um ein Ungleichgewicht der normalerweise vorhandenen Bakterien. Das gesunde Milieu der Scheide wird typischerweise von Laktobazillen dominiert, die einen sauren pH-Wert aufrechterhalten, der andere Bakterien in Schach hält. Wenn sich dieses Gleichgewicht verschiebt – wodurch sich andere natürlich vorkommende Bakterien übermäßig vermehren können –, entsteht eine BV. Typischerweise kommt es zu einem dünnflüssigen, grauweißen Ausfluss und einem deutlichen fischartigen Geruch, der oft nach dem Geschlechtsverkehr stärker wahrnehmbar ist; wichtig ist jedoch, dass sie in der Regel keinen starken Juckreiz verursacht – ein wesentlicher Unterschied zu Hefepilzinfektionen, der häufig übersehen wird. Da es sich um eine bakterielle und keine pilzbedingte Erkrankung handelt, erfordert die Behandlung Antibiotika und keine antimykotischen Cremes.
Hefepilzinfektionen
Hefepilzinfektionen entstehen durch eine übermäßige Vermehrung von Candida, einem Pilz, der normalerweise in geringen Mengen vorhanden ist. Sie gehen typischerweise mit einem dicken, weißen, „Hüttenkäse“-ähnlichen Ausfluss einher, begleitet von starkem Juckreiz und Reizungen – wobei der Juckreiz im Vergleich zur bakteriellen Vaginose das zuverlässigere Unterscheidungsmerkmal ist. Hefepilzinfektionen treten besonders häufig nach einer Antibiotikabehandlung auf, da Antibiotika die schützenden Laktobazillen stören, die Candida normalerweise in Schach halten, wodurch sich der Pilz übermäßig vermehren kann. Die Behandlung erfolgt mit Antimykotika, die sowohl rezeptfrei als auch verschreibungspflichtig erhältlich sind.
Trichomoniasis
Trichomoniasis ist eine durch einen Parasiten verursachte sexuell übertragbare Infektion, die sich in einem wichtigen Punkt von den beiden oben genannten Erkrankungen unterscheidet: Viele Betroffene zeigen keinerlei Symptome, während bei anderen ein schaumiger, gelbgrüner Ausfluss mit einem wahrnehmbaren Geruch auftritt. Da es sich um eine sexuell übertragbare Infektion handelt, müssen bei der Behandlung beide Partner gleichzeitig behandelt werden, auch wenn nur einer Symptome zeigt – andernfalls ist eine erneute Ansteckung wahrscheinlich.
Die schützende Rolle des vaginalen Mikrobioms
Allen drei oben genannten Erkrankungen liegt ein gemeinsames Grundthema zugrunde: eine Störung des normalen, von Laktobazillen dominierten vaginalen Milieus, das ansonsten eine schädliche Überwucherung in Schach hält. Antibiotika, hormonelle Veränderungen und bestimmte Hygienepraktiken können dieses Gleichgewicht verschieben, weshalb es ebenso wichtig ist, zu verstehen, was dieses Gleichgewicht schützt, wie die Infektionen selbst zu verstehen.
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