Sexuell übertragbare Infektionen nehmen europaweit zu, allerdings nicht überall im gleichen Maße. Die Länder mit den geringsten Zuwächsen haben einige spezifische politische Entscheidungen gemeinsam.
Sexuell übertragbare Infektionen haben in den letzten zehn Jahren in weiten Teilen Europas zugenommen, doch dieser Anstieg verlief nicht einheitlich. Einige Länder konnten die Fallzahlen durch konsequente politische Maßnahmen vergleichsweise stabil halten, während andere einen stärkeren Anstieg verzeichneten – und der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen lässt sich in der Regel auf eine Reihe recht spezifischer, vergleichbarer Faktoren zurückführen und ist keineswegs mysteriös.
Warum die Zahlen in manchen Ländern schneller steigen
Uneinheitliche Sexualaufklärung. Die Ansätze in der Sexualaufklärung variieren auf dem gesamten Kontinent erheblich. Einige nationale Lehrpläne setzen früh ein, sind medizinisch umfassend und behandeln neben Biologie und Prävention auch Themen wie Einwilligung und Beziehungen. Andere konzentrieren sich eng auf die technischen Aspekte der Infektionsprävention, werden später eingeführt und weisen weniger Einheitlichkeit zwischen den Regionen oder Schultypen auf. Länder mit früheren, umfassenderen Lehrplänen verzeichnen im Allgemeinen eine konsequentere Kondomnutzung und ein konsequenteres Testverhalten bei jungen Menschen als Länder mit enger gefassten oder später eingeführten Programmen.
Rückläufige Kondomnutzung, insbesondere bei jüngeren Erwachsenen. Mehrere nationale Erhebungen in ganz Europa haben in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren einen allmählichen Rückgang der konsequenten Kondomnutzung festgestellt – ein Trend, der durch das gestiegene Bewusstsein für andere Präventionsmittel nicht vollständig ausgeglichen wird. Das anhaltende Stigma, offen über sexuelle Gesundheit zu sprechen, scheint bei diesem Rückgang eine Rolle zu spielen, ebenso wie die – nicht ganz zutreffende – allgemeine Annahme in der Öffentlichkeit, dass andere Präventionsmaßnahmen die Bedeutung von Barrieremethoden verringert hätten.
Zunehmende Antibiotikaresistenz. Bestimmte bakterielle sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere Gonorrhö, zeigen in mehreren europäischen Ländern eine zunehmende Resistenz gegen Standardbehandlungen mit Antibiotika – ein Trend, der von den Gesundheitsbehörden genau beobachtet wird. Resistente Stämme erschweren die Behandlung, verlängern die Ansteckungszeit der Betroffenen und erhöhen das Risiko von Komplikationen – ein Faktor, der die oben genannten, mit der Übertragung zusammenhängenden Ursachen noch verschärft.
Was die Länder mit niedrigeren Raten anders gemacht haben
Eine Handvoll Länder – Schweden, Deutschland und Finnland werden in vergleichenden Analysen zum öffentlichen Gesundheitswesen häufig genannt – weisen vergleichsweise niedrigere oder langsamer steigende STI-Raten auf, und ihre Ansätze weisen erkennbare Gemeinsamkeiten auf.
Schweden hat die Aufklärung über sexuelle Gesundheit bereits ab dem frühen Kindesalter in den nationalen Lehrplan integriert, wobei sich Inhalt und Umfang im Laufe der Adoleszenz vertiefen und erweitern. Forscher im Bereich der öffentlichen Gesundheit verweisen auf diese frühzeitige und kontinuierliche Aufklärung als einen Faktor, der dazu beiträgt, dass in Schweden die Rate der konsequenten Kondomnutzung und die Inanspruchnahme von STI-Tests bei jungen Erwachsenen im Vergleich zum europäischen Durchschnitt generell höher ist.
Deutschland führt seit langem landesweit anerkannte Kampagnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit durch (darunter die bekannte „Liebesleben“-Kampagne), die eine breite Reichweite mit einem bewusst wertfreien Ton verbinden und dabei ausdrücklich auf sexuelle Orientierung und Beziehungsvielfalt eingehen, anstatt eine eng gefasste, pauschale Botschaft zu vermitteln. Forscher im Bereich der Gesundheitskommunikation haben festgestellt, dass Kampagnen mit einem solchen Ansatz dazu beitragen, die durch Stigmatisierung bedingte Scheu vor Tests und offenen Gesprächen wirksamer abzubauen als eng gefasste, auf Angst basierende Botschaften.
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