Haarausfall tritt oft erst zwei bis drei Monate nach dem eigentlichen Auslöser auf – eine zeitliche Verzögerung, die erklärt, warum so viele Menschen keine eindeutige Ursache ausmachen können. Hier erfahren Sie, wie der Haarwachstumszyklus diese Verzögerung erklärt und welche Behandlungsmethoden wissenschaftlich fundiert sind.
Eine der häufigsten Ursachen für Verwirrung im Zusammenhang mit Haarausfall ist der zeitliche Zusammenhang: Jemand bemerkt einen starken Haarausfall und versucht, sich daran zu erinnern, was in letzter Zeit passiert ist, doch der eigentliche Auslöser – eine Krankheit, eine Crash-Diät, eine stressige Phase, eine Geburt – liegt oft zwei bis drei Monate zurück und nicht unmittelbar vor Beginn des Haarausfalls. Diese Verzögerung ist kein Zufall. Sie ist eine direkte Folge der Funktionsweise des Haarwachstumszyklus.
Der Haarwachstumszyklus erklärt vieles
Jeder Haarfollikel durchläuft verschiedene Phasen: eine Wachstumsphase (Anagenphase), die zwischen zwei und sieben Jahren dauert, eine kurze Übergangsphase (Katagenphase) und eine Ruhephase (Telogenphase) von etwa drei Monaten, nach der das Haar ausfällt und ein neuer Wachstumszyklus beginnt. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich normalerweise etwa 10 % der Haare in der Telogenphase – weshalb ein Verlust von 50 bis 100 Haaren pro Tag als völlig normal gilt.
Warum Haarausfall oft erst Monate nach dem eigentlichen Auslöser auftritt
Ein erheblicher körperlicher oder emotionaler Stressfaktor – Krankheit, starker Gewichtsverlust, Geburt, Operation, extremer Stress – kann dazu führen, dass ein weitaus größerer Anteil an Haarfollikeln als üblich auf einmal in die Telogenphase versetzt wird. Da die Telogenphase etwa drei Monate dauert, bevor diese Haare tatsächlich ausfallen, tritt der sichtbare Anstieg des Haarausfalls erst etwa zwei bis drei Monate nach dem auslösenden Ereignis auf; zu diesem Zeitpunkt lässt sich der Zusammenhang leicht völlig übersehen. Dieses als „Telogen-Effluvium“ bezeichnete Muster ist in der Regel vorübergehend; das Haarwachstum setzt typischerweise wieder ein, sobald der zugrunde liegende Auslöser behoben ist und die gestörten Haarfollikel wieder in ihre normale Wachstumsphase zurückkehren.
Telogen-Effluvium vs. androgenetischer (typischer) Haarausfall
Telogenes Effluvium verursacht eine diffuse, flächendeckende Ausdünnung der Haare und ist in der Regel vorübergehend. Androgenetische Alopezie – auch als „Männlicher Haarausfall“ bezeichnet – ist ein anderer, typischerweise fortschreitender Prozess, der einem erkennbaren Muster folgt: bei Männern zurückweichende Haarlinien an den Schläfen und Ausdünnung am Scheitel, bei Frauen eine diffusere Ausdünnung entlang des Scheitels. Die Unterscheidung zwischen den beiden Formen ist von großer Bedeutung, da sich die eine in der Regel von selbst zurückbildet, sobald der Auslöser wegfällt, während die andere ohne Behandlung tendenziell weiter fortschreitet.
Der hormonelle Mechanismus hinter dem erblich bedingten Haarausfall
Die androgenetische Alopezie wird durch Dihydrotestosteron (DHT) ausgelöst, ein aus Testosteron abgeleitetes Hormon, das an Rezeptoren in genetisch anfälligen Haarfollikeln bindet und diese im Laufe aufeinanderfolgender Wachstumszyklen in einem als Miniaturisierung bezeichneten Prozess allmählich schrumpfen lässt. Wichtig ist, dass es dabei im Allgemeinen um die genetische Empfindlichkeit gegenüber DHT auf Follikelebene geht und nicht unbedingt um ungewöhnlich hohe Testosteron- oder DHT-Spiegel insgesamt – weshalb Haarausfall nach männlichem Muster auch bei Menschen mit völlig normalen Hormonspiegeln auftreten kann, einfach weil ihre Follikel genetisch bedingt stärker auf eine normale DHT-Menge reagieren.
Weitere Ursachen, die ausgeschlossen werden sollten
- Schilddrüsenfunktionsstörungen, sowohl Unter- als auch Überfunktion, sind eine gut dokumentierte Ursache für diffusen Haarausfall.
- Eisenmangel, der insbesondere bei Frauen eine Rolle spielt, geht mit verstärktem Haarausfall einher, auch ohne dass eine voll ausgeprägte Anämie vorliegt.
- Alopecia areata, eine Autoimmunerkrankung, verursacht deutliche, klar abgegrenzte, runde kahlen Stellen statt diffusen Haarausfalls oder einer typischen Musterverteilung.
- Bestimmte Medikamente, darunter einige zur Behandlung von Bluthochdruck, Stimmungsstörungen und anderen Erkrankungen, führen Haarausfall als anerkannte Nebenwirkung auf.
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