Die auf dem Papier angegebenen Wirksamkeitsraten und die Wirksamkeit in der Praxis sind nicht dasselbe – und die Diskrepanz zwischen beiden variiert je nach Methode enorm. Hier ist der Rahmen, der bei der Auswahl tatsächlich entscheidend ist – über einen einfachen Prozentsatz hinaus.
Die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln wird in der Regel als einzelner Prozentsatz angegeben, doch hinter dieser Zahl verbirgt sich etwas Wichtiges: Es gibt eine Wirksamkeitsrate bei „perfekter Anwendung“ (wie wirksam eine Methode ist, wenn sie jedes Mal genau nach Anleitung angewendet wird) und eine Wirksamkeitsrate bei „typischer Anwendung“ (wie wirksam sie tatsächlich im Alltag ist, einschließlich versäumter Anwendungen oder unregelmäßiger Anwendung). Die Differenz zwischen diesen beiden Werten variiert je nach Methode enorm – und diese Differenz ist für die Entscheidungsfindung oft aussagekräftiger als der in den Schlagzeilen genannte Prozentsatz selbst.
Warum die Differenz zwischen „perfekter Anwendung“ und „typischer Anwendung“ so wichtig ist
Methoden, die auf einer konsequenten täglichen oder bei jeder Anwendung durchzuführenden Maßnahme beruhen – die Pille, das Pflaster, Kondome –, weisen in der Regel eine erhebliche Differenz zwischen der Wirksamkeit bei „perfekter Anwendung“ und der bei „typischer Anwendung“ auf, da es im Alltag zu versäumten Einnahmen, zeitlichen Fehlern und unregelmäßiger Anwendung kommen kann. Langwirksame reversible Methoden – Spiralen und Implantate – weisen fast gar keine Differenz auf, da die Anwenderin nach dem Einsetzen im Grunde nichts mehr beachten oder richtig ausführen muss. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass LARC-Methoden zu den reversiblen Verhütungsmitteln mit den niedrigsten Versagensraten bei typischer Anwendung gehören, obwohl sich ihre Wirksamkeitsrate bei perfekter Anwendung nicht wesentlich von der der Pille unterscheidet.
Die Hauptkategorien auf einen Blick
- Kombinierte hormonelle Methoden (Pille, Pflaster, Vaginalring) enthalten sowohl Östrogen als auch Gestagen und wirken in erster Linie durch Unterdrückung des Eisprungs.
- Reine Gestagenmethoden (Minipille, Implantat, hormonelle Spirale, Injektion) wirken durch eine Kombination aus Unterdrückung des Eisprungs (insbesondere bei der Minipille stärker variabel) und verdicktem Zervixschleim, der Spermien abhält.
- Die Kupferspirale ist hormonfrei und wirkt durch Kupferionen, die für Spermien und Eizellen direkt toxisch sind und so eine Befruchtung verhindern.
- Barriereverfahren (Kondome, Diaphragmen) blockieren Spermien physisch und bieten im Falle von Kondomen den zusätzlichen Vorteil, die Übertragung sexuell übertragbarer Infektionen zu verringern – ein Vorteil, den keine hormonelle Verhütungsmethode oder kein Intrauterinpessar bietet.
- Methoden der Fruchtbarkeitsbeobachtung, bei denen das fruchtbare Zeitfenster durch Zyklus- und Symptombeobachtung ermittelt wird, erfordern eine konsequentere tägliche Aufmerksamkeit und weisen je nach Gründlichkeit der Anwendung eine breitere Wirksamkeitsspanne auf.
- Dauerhafte Methoden (Eileiterunterbindung, Vasektomie) sind als irreversibel oder nur sehr schwer rückgängig zu machen gedacht und eignen sich für diejenigen, die sicher sind, dass sie keine weiteren Schwangerschaften wünschen.
Nicht-verhütende Vorteile, die oft außer Acht gelassen werden
Die Wahl einer Methode ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Schwangerschaftsverhütung übersieht einen für viele Frauen wirklich relevanten Faktor: Einige hormonelle Methoden verringern auch starke Menstruationsblutungen, verbessern Akne, lindern PMS- oder PMDD-Symptome und reduzieren Schmerzen im Zusammenhang mit Endometriose. Für Frauen, die neben dem Verhütungsbedarf auch mit einem dieser Probleme zu kämpfen haben, kann diese Überschneidung durchaus ausschlaggebend dafür sein, welche Methode am sinnvollsten ist – über die reinen Wirksamkeitszahlen hinaus.
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