Kaltes Wetter an sich verursacht keine Infektionen – die wahren Gründe dafür, dass Krankheiten in den kälteren Monaten gehäuft auftreten, sind spezifischer und interessanter als das. Hier erfahren Sie, was dieses saisonale Muster tatsächlich auslöst, und erhalten einen Überblick über die dahinterstehenden Infektionen.
„Du erkältest dich, wenn du ohne Jacke nach draußen gehst“ ist eine der hartnäckigsten Volksweisheiten überhaupt, und sie ist nicht ganz richtig – Kälte an sich verursacht keine Infektion. Die wahren Gründe dafür, dass Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen in den kälteren Monaten so häufig auftreten, liegen in einer Kombination aus mehreren spezifischeren Faktoren, die es jeweils für sich zu verstehen gilt.
Die wahren Mechanismen hinter dem Anstieg von Wintererkrankungen
- Enge Platzverhältnisse in Innenräumen führen zu engerem Kontakt zwischen den Menschen und bieten so durch die Luft und durch Kontakt übertragenen Krankheitserregern weitaus mehr Möglichkeiten zur Ausbreitung als in den wärmeren Monaten, in denen sich die Menschen mehr im Freien aufhalten und größeren Abstand zueinander halten.
- Trockene Raumluft – eine direkte Folge von Heizungsanlagen bei kaltem Wetter – trocknet die Schleimhaut in den Nasengängen und Atemwegen aus und beeinträchtigt die winzigen, haarähnlichen Strukturen (Zilien), die normalerweise Krankheitserreger abtransportieren, bevor diese eine Infektion auslösen können. Diese verminderte mukoziliäre Clearance ist ein echter, spezifischer Mechanismus und nicht nur ein allgemeines Gefühl, dass kaltes Wetter den Körper „schwächt“.
- Die Überlebensdauer von Viren außerhalb des Körpers scheint sich unter kalten, trockenen Bedingungen für mehrere häufige Atemwegsviren zu verlängern, was bedeutet, dass sie unter winterlichen Bedingungen länger auf Oberflächen und in der Luft überleben.
- Eine verminderte Vitamin-D-Synthese aufgrund geringerer Sonneneinstrahlung an den kürzeren Wintertagen hat einen messbaren Einfluss auf die Immunfunktion und trägt somit zusätzlich zu diesem saisonalen Muster bei.
Ein kurzer Überblick über häufige saisonale Auslöser
- RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) erreicht in den kälteren Monaten seinen Höhepunkt und ist besonders für Kleinkinder und ältere Erwachsene von Bedeutung, bei denen es schwerere Erkrankungen der unteren Atemwege verursachen kann als bei gesunden Erwachsenen.
- Norovirus, manchmal auch als „Winter-Erbrechen-Virus“ bezeichnet, ist ein hochansteckendes Magen-Darm-Virus, das sich über kontaminierte Oberflächen und Lebensmittel verbreitet und nicht – wie die meisten anderen in dieser Liste genannten Erkrankungen – über die Atemwege – ein wichtiger Unterschied für die Prävention.
- Streptokokken-Halsentzündung, die durch Bakterien und nicht durch ein Virus verursacht wird, tritt besonders häufig bei Kindern im Schulalter auf und konzentriert sich ebenfalls eher auf die kälteren Monate; dies hat deutliche Auswirkungen auf die Behandlung, da sie im Gegensatz zu den viralen Erkrankungen auf dieser Liste auf Antibiotika anspricht.
Warum Kinder in diesen Monaten so viel häufiger krank werden
Es liegt nicht daran, dass Kinder von Natur aus ein schwächeres Immunsystem haben – vielmehr ist es so, dass jedes neue Virus, mit dem sie in Kontakt kommen, häufig eine Erstinfektion darstellt, da ihr Immunsystem noch keine Datenbank mit zuvor erkannten Krankheitserregern aufgebaut hat, wie dies bei Erwachsenen durch jahrelange Vorerfahrungen der Fall ist. In Verbindung mit dem engen Kontakt in Schule und Kindertagesstätte erklärt dies, warum dieselbe Jahreszeit für ein kleines Kind eine Erkältung nach der anderen bedeuten kann, während Erwachsene im selben Haushalt weitaus seltener betroffen sind.
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