Ein einzelner niedriger Testosteronwert reicht allein nicht für eine Diagnose aus – der Zeitpunkt der Messung, die Symptome und Bestätigungsuntersuchungen spielen ebenfalls eine Rolle. Hier erfahren Sie, wie ein niedriger Testosteronspiegel tatsächlich festgestellt wird, welche Ursachen dafür verantwortlich sind und in welchen Fällen eine Behandlung wirklich hilft und in welchen nicht.
Ein einzelner Bluttest, der einen niedrigen Testosteronspiegel anzeigt, ist für sich genommen noch keine Diagnose für einen Testosteronmangel. Klinisch gesehen müssen zwei Dinge zusammenkommen: ein durch geeignete Tests bestätigter niedriger Spiegel und entsprechende Symptome – eine Unterscheidung, die von großer Bedeutung ist, wenn man bedenkt, wie stark „Low T“ allein auf der Grundlage eines Zahlenwerts vermarktet wird.
Warum der Zeitpunkt der Untersuchung das Ergebnis beeinflusst
Der Testosteronspiegel folgt einem täglichen Rhythmus: Er erreicht am frühen Morgen seinen Höchstwert und sinkt im Laufe des Tages ab – manchmal um 20 % oder mehr bis zum späten Nachmittag. Eine Blutentnahme um 15 Uhr kann allein aufgrund des Zeitpunkts einen Wert anzeigen, der niedrig erscheint, selbst bei jemandem mit völlig normaler Testosteronproduktion. Aus diesem Grund sieht ein ordnungsgemäßes Testprotokoll eine Blutentnahme am Morgen vor und idealerweise einen zweiten Bestätigungstest an einem anderen Tag, anstatt die Diagnose allein auf ein einziges Nachmittagsergebnis zu stützen.
Symptome, die sich mit mehreren anderen Erkrankungen überschneiden
Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, verminderte Muskelmasse und verminderte Libido werden häufig auf einen niedrigen Testosteronspiegel zurückgeführt – und können tatsächlich dadurch verursacht werden –, doch jedes dieser Symptome tritt auch häufig bei Schlafapnoe, Depressionen, einer Schilddrüsenunterfunktion und einfachem chronischem Schlafmangel auf. Genau diese Überschneidungen sind der Grund, warum eine Symptom-Checkliste allein, ohne bestätigte morgendliche Blutuntersuchung, für die Diagnose nicht ausreicht und warum manche Männer, die allein aufgrund ihrer Symptome eine Testosterontherapie anstreben, tatsächlich an einer ganz anderen, besser behandelbaren Erkrankung leiden.
Was tatsächlich einen niedrigen Testosteronspiegel verursacht
Die Ursachen lassen sich im Allgemeinen in zwei Kategorien einteilen: primäre Ursachen (ein Problem mit den Hoden selbst) und sekundäre Ursachen (ein Problem mit der Hypophyse oder dem Hypothalamus, die den Hoden überhaupt erst signalisieren, Testosteron zu produzieren). Die Unterscheidung zwischen beiden ist für die Behandlung von Bedeutung, da sie Einfluss darauf hat, welches zugrunde liegende Problem – falls vorhanden – über das Testosteron hinaus gesondert behandelt werden muss.
Der übersehene Kreislauf zwischen Adipositas und niedrigem Testosteronspiegel
Einer der klinisch bedeutsamsten und am meisten unterschätzten Mechanismen betrifft das Körperfett selbst. Fettgewebe enthält ein Enzym (Aromatase), das Testosteron in Östrogen umwandelt. Mehr Körperfett bedeutet eine stärkere Umwandlung, was den Testosteronspiegel im Blut senkt – und ein niedrigerer Testosteronspiegel wiederum fördert eine weitere Fettzunahme und einen Rückgang der Muskelmasse, wodurch ein sich selbst verstärkender Kreislauf entsteht, der sich weder durch Gewichtsabnahme noch durch eine Hormonbehandlung allein durchbrechen lässt, wenn nicht beide Aspekte berücksichtigt werden.
Wie die richtige Diagnose gestellt wird
Eine ordnungsgemäße Abklärung umfasst die Bestimmung des morgendlichen Testosteronspiegels (zur Bestätigung wiederholt) sowie die Messung von LH und FSH – Hormone der Hypophyse, die dabei helfen zu unterscheiden, ob das Problem in den Hoden oder weiter stromaufwärts liegt. Zusätzliche Untersuchungen auf damit zusammenhängende Erkrankungen (Schilddrüsenfunktion, gegebenenfalls Screening auf Schlafapnoe) werden oft gerade wegen der oben beschriebenen Überschneidung der Symptome durchgeführt.
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